05. Mai 2018

Licht und Schatten in Norden-Norddeich

„Schatz, lass uns heute mal einen Ausflug nach Norddeich machen, wenn wir schon mal hier an der Küste sind.“ OK. Gute Idee! Nach Radtour am Deich entlang, mit den Hunden über die Wiesen rennen, Fischbrötchen im Greetsieler Hafen und goldenen Herbstsonnentagen im Garten unserer Ferienwohnung statten wir dem beliebten Nordsee-Heilbad Norddeich mit großen Erwartungen einen Besuch ab. Und werden enttäuscht. Irgendwie.

Nicht falsch verstehen: Die Region rund um Norden und der ganze Küstenstreifen sind wunderschön. Das Video in diesem Artikel gibt Stimmung, Landschaft und Lebensgefühl treffend wieder. Daumen hoch! Auch möchten wir die Norddeich-Fans nicht verärgern oder neugierige Nordseeliebhaber von einer Reise dorthin abhalten. Aber Norddeich hätten wir uns anders vorgestellt. Schöner. Irgendwie. Einfach mehr MOViVA.

Gut, es gibt einen Streifen Sandstrand, das Watt, auch einen kleinen - immerhin! - Hundestrand und eine große Wiese zum Drachensteigenlassen. Beim Rundblick bleibt unser Auge dann aber auf ein paar Betonbauten haften, die so gar nicht nach puscheligem Nordseehafen aussehen. Und die Gastronomie direkt am Deich, der übrigens rund um den Hafen komplett asphaltiert ist, erinnert architektonisch verdächtig an ein übergroßes Klohäuschen auf einem bundesdeutschen Autobahnparkplatz. Alles sehr zweckmäßig und End-70er-Jahre-modern, aber richtig schön geht irgendwie anders. Finden wir.

Wir fragen also eine Passantin, was Norddeich auszeichnet. „Man kann so schön Radfahren und das Enkelkind liebt die hart im Wind stehenden, bunten Drachen auf der Wiese.“  OK, wenn und wem das reicht? Wir fragen nach, ob es hier auch irgendwo so richtig schön ist, ernten zunächst verdutzte Blicke und dann den Tipp: „Ja, da vorne links rein, da ist es ein bisschen schön.“ Prima, wir geben Norddeich eine weitere Chance und landen im Kurgarten. Stimmt, ein bisschen schön. Aber die anschließend abgelaufene Flaniermeile ist nur als diese zu erkennen, weil Gastronomie und Läden Werbeschilder und Waren draußen stehen haben. Unsere kurzweilige Euphorie-Hoffnung ist wieder verschwunden. Denn das rot verklinkerten Einerlei ist so einladen und spannend, wie ein Spaziergang in einer leicht spießigen Neubausiedung.

Nach Rückzug in unser Ferienwohnungsidyll ist am nächsten Tag Schietwetter angesagt. „Komm, Schatz, wir fahren nach Norden. Hier gibt es sicher was zu sehen.“ Gute Idee! Es ist schon viele Jahre her, dass wir in Norden waren und das Städtchen hat sich ziemlich verändert. So sehr, dass wir einige Ziele und Restaurants der vergangenen Besuche nicht mehr auf Anhieb wiederfinden. Dafür gibt es jetzt ein großes, modernes Einkaufszentrum. Den Stadtplanern sei Dank. Aber es gibt auch weiterhin schöne Ecken in Norden, Historisches und zum Beispiel das Teemuseum. Für einen Schietwetterausflug also ganz OK und durchaus sehenswert.

Was ist also unser Resümee? Die echten Stars sind die Region, das Umland, der Menschenschlag, die Küste, das friesische Lebensgefühl. So, wie es der Film zeigt. Bei Norddeich selbst können wir die Beliebtheit nicht ganz nachvollziehen. Das Beste scheinen uns dann doch eher die Fähren nach Norderney und Juist zu sein. „Schatz, komm wir fahren auf dem Weg nach Hause noch mal in Greetsiel vorbei und trinken im Hafen was Leckeres.“ Ja gerne. Brilliante Idee! Wir mögen es dann doch lieber etwas traditioneller. Und schöner. Irgendwie.

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